Gerda Henkel Stiftung bewilligt für mehr als 60 Projekte knapp 7 Millionen Euro

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Die Gerda Henkel Stiftung fördert mehr als 60 neue Forschungsvorhaben weltweit. Die Stiftung stellte hierfür eine Gesamtsumme von knapp 7 Millionen Euro zur Verfügung. 970.000 Euro sind für den Aufbau einer Akademie für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler in Bamako/Mali bestimmt. In weiteren Entscheidungen bewilligten die Stiftungsgremien Studien zur Geschichte des Sports sowie erste Forschungsprojekte in den neuen Förderschwerpunkten "Demokratie" und "Lost Cities".

Förderbeispiel I: Nützlich ist nicht immer nützlich – eine neue Gelehrtenkultur in Afrika

Das Wissenschaftssystem in Afrika ist von zwei großen Trends geprägt: Die Studierendenzahlen steigen, und Forschung wird vor allem an ihrer politischen und ökonomischen Relevanz bemessen. Auf die Folgen weisen Prof. Dr. Mamadou Diawara (Frankfurt am Main) und Prof. Dr. Elísio Macamo (Basel) hin: An den Hochschulen dominiert eine stark anwendungsbezogene Ausbildung. Mit gut 970.000 Euro unterstützt die Gerda Henkel Stiftung die beiden Afrikawissenschaftler dabei, am „Point Sud“-Zentrum in Bamako eine Postgraduierten-Akademie aufzubauen. Die Akademie soll die Grundlagenforschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften in Afrika stärken und sie in ein selbstbewusstes Verhältnis zu anderen Forschungslandschaften setzen.

Förderbeispiele II: Sprinten und Boxen

Als „schnellsten Juden Deutschlands“ charakterisierte der Galerist Alfred Flechtheim seinen Großneffen Alex Natan. Geboren in Berlin, stellte Alex Natan (1906–1971) 1929 im Staffellauf einen Weltrekord auf. Er emigrierte nach England, schloss sich dem antifaschistischen Widerstand an und gründete ein Rettungskomitee für jüdische Kinder. Nach dem Krieg engagierte er sich für die Aussöhnung zwischen den früheren Kriegsgegnern. Als Sportjournalist schrieb Alex Natan für den „Manchester Guardian“, „Die Zeit“, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und den Berliner „Tagesspiegel“. Mit einer kulturgeschichtlichen Biographie möchte der Historiker Prof. Dr. Kay Ernst Schiller (Durham) an den zivilbürgerlichen Individualisten und homosexuellen Athleten erinnern.

Immigranten und Angehörige von Minderheiten spielen in der Geschichte des Boxens eine große Rolle. Das wird besonders in Großbritannien deutlich, wo Boxen sich von einer illegalen Aktivität am Rande der Gesellschaft zu einem populären Zuschauersport entwickelt hat. Immigranten und Angehörige von Minderheiten finden sich innerhalb, aber auch außerhalb des Rings, als Trainer, Promoter und Manager. Der Historiker Dr. David Dee (Leicester) plant eine Geschichte des britischen Boxens. In diesem Rahmen wird er auch die Bedeutung von Immigration und Ethnie für die Geschichte dieses Sports und die Auswirkungen des Boxens auf die britischen Minderheitsgesellschaften untersuchen.

Erstmals bewilligt: Anträge in den neuen Förderschwerpunkten „Demokratie“ und „Lost Cities“

Zum ersten Mal konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Anträge in zwei neuen internationalen Förderschwerpunkten einreichen. In der Förderlinie „Demokratie als Utopie, Erfahrung und Bedrohung“ fanden Projekte zum demokratischen Gewaltmonopol in der Weimarer Republik und zu Veränderungen von Demokratievorstellungen in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden nach dem Zweiten Weltkrieg Aufnahme. Im Programm „Lost Cities. Wahrnehmung von und Leben mit verlassenen Städten in den Kulturen der Welt“ reicht das Spektrum der bewilligten Vorhaben von desurbanisierten Räumen der römischen Kaiserzeit und dem antiken Babylonien über verlassene Städte in der mongolischen Steppe bis zu den Schicksalen der jüdischen „Schtetl“ nach dem Holocaust.

Gerda Henkel Stiftung

Die Gerda Henkel Stiftung wurde im Juni 1976 von Frau Lisa Maskell zum Gedenken an ihre Mutter Gerda Henkel als rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts mit Sitz in Düsseldorf errichtet. Die Förderungen der Gerda Henkel Stiftung gelten den Historischen Geisteswissenschaften. In einigen Programmen wendet sich die Stiftung darüber hinaus gegenwarts- und zukunftsbezogenen Themen zu, vor allem im Rahmen des Sonderprogramms „Sicherheit, Gesellschaft und Staat“. Im Rahmen des Lisa Maskell Stipendienprogramms fördert die Stiftung junge Geisteswissenschaftler in Afrika und Südostasien. In ihrem Förderschwerpunkt „Patrimonies“ setzt sie sich für den Erhalt kulturellen Erbes vor allem in Krisenregionen ein. Forschungen, die aktuelle Problemlagen in größere historische Zusammenhänge stellen, stehen im Zentrum der Förderschwerpunkte „Demokratie als Utopie, Erfahrung und Bedrohung “ sowie „Lost Cities. Wahrnehmung von und Leben mit verlassenen Städten in den Kulturen der Welt“. Im Zusammenhang mit geförderten Projekten unterstützt die Stiftung im Rahmen von ergänzenden Vorhaben auch soziale Begleitmaßnahmen. Die Gerda Henkel Stiftung kann ihre Zwecke im In- und Ausland verwirklichen.