Neue Publikation: Fortsetzung politischer Konflikte oder Neuanfang? Türkische Geflüchtete in NRW

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Insbesondere in den Großstädten Nordrhein-Westfalens leben schon seit den 1960er Jahren Gemeinschaften von Menschen mit türkeibezogenem Migrationshintergrund. Tim Röing untersucht in BICC Working Paper 6\ 2019 u. a., wie sich zu unterschiedlichen Zeiten und aus verschiedenen Motiven aus der Türkei nach NRW gekommene Menschen zueinander verhalten und wie sich die politischen Entwicklungen in der Türkei darauf auswirken.

Seit dem gescheiterten Putschversuch von Teilen des türkischen Militärs gegen Präsident Erdogan im Sommer 2016 suspendierte die türkische Regierung mehr als 100.000 Staatsbedienstete unter dem Vorwand, sie hätten einen Umsturz geplant. Aus Angst vor Verfolgung und willkürlichen Inhaftierungen stellten seitdem etwa 21.000 türkische Staatsbürger einen Asylantrag in Deutschland. Viele von ihnen fanden Zuflucht in Nordrhein-Westfalen (NRW).

Das BICC Working Paper 6\ 2019 untersucht, wie sich Angehörige beider Gruppen in NRW gegenseitig wahrnehmen und wie sie im Alltag miteinander umgehen, welche Konflikte dabei entstehen und wie die politischen Entwicklungen in der Türkei auf diese Prozesse einwirken. Die Studie zeigt, dass türkische Geflüchtete einerseits Solidarität und Anteilnahme durch Menschen mit türkeibezogenem Migrationshintergrund und ihre Organisationen erleben, andererseits aber auch von ihnen im Alltag angefeindet werden.

Dies spiegelt die starke Polarisierung innerhalb der Gemeinschaften von Menschen mit türkei- bezogenem Migrationshintergrund in NRW seit 2016 wider, auf welche das Working Paper ebenfalls eingeht. Der Autor plädiert für einen differenzierten, durch Empirie gestützten Zugang zum Themenfeld und warnt eindringlich vor Verallgemeinerungen. Ansätze zur Konfliktbearbeitung müssen die Komplexität von Akteuren und Interaktionen sowie die Vielfalt an Meinungen und Positionen innerhalb der Gemeinschaften mit Türkeibezug einbeziehen.

Diese Publikation basiert auf Daten, die das BICC-Forschungsprojekt „Zwischen Bürgerkrieg und Integration - Die Aufnahme von Flüchtlingen als Chance und Risiko für den gesellschaftlichen Wandel in NRW“ seit Mitte 2016 erhob. Es wurden qualitative Einzel- und Gruppeninterviews mit insgesamt 40 Geflüchteten sowie 15 Experteninterviews mit Vertreterinnen und Vertretern von Migrantenselbstorganisationen und Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern durchgeführt. Zudem flossen Daten aus der Feldforschung für eine Studie zu Konflikten und Konfliktprävention in Unterkünften für Geflüchtete ein, die im gleichen Projekt erhoben wurden (Christ et al. 2017).

Download

Sie finden den Volltext von BICC Working Paper 6\ 2019 „Fortsetzung politischer Konflikte oder Neuanfang? Türkische Geflüchtete in Nordrhein-Westfalen“ unter www.bicc.de/publications/publicationpage/publication/fortsetzung-politischer-konflikte-oder-neuanfang-tuerkische-gefluechtete-in-nordrhein-westfalen/