Neuer Arbeitskreis setzt sich mit ethischen Herausforderungen der Digitalisierung auseinander

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Die gesellschaftlichen Umbrüche im Zuge der Digitalisierung werfen auch ethische Fragen auf. Das Center for Advanced Internet Studies (CAIS) hat deshalb in Zusammenarbeit mit dem Referat "Digitale Gesellschaft, Medienkompetenz" der Staatskanzlei des Landes NRW den "Arbeitskreis Digitale Ethik" ins Leben gerufen. Die Idee: Vertreterinnen und Vertreter von Institutionen der Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft tauschen sich zu ethischen Fragen der Digitalisierung aus.

Wissenschaftliche Vorträge geben dabei einen Einblick in den Stand der Forschung, Diskussionen zeigen verschiedene Perspektiven auf ein Thema auf. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer profitieren von mehr Wissen, neuen Kontakten und erhalten Anregungen für Handlungsoptionen.

In der Diskussion: Der digitale Wandel von Öffentlichkeit(en)

In der ersten Sitzung am 29. Juni 2018, die von Silke Offergeld und Dr. Matthias Begenat moderiert wurde, diskutierten Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Institutionen über ethische Fragen im Kontext digitaler demokratischer Öffentlichkeiten. Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus den Landesministerien Nordrhein-Westfalens für Kultur und Wissenschaft sowie für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, aus dem Grimme-Institut, der Landesanstalt für Medien NRW, dem WDR, der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen, der LfM-Stiftung für Lokaljournalismus Vor Ort NRW, dem Deutschen Journalisten-Verband NRW und vom Verband Privater Medien VAUNET sowie aus dem MERCUR Science Policy Network.
Für wissenschaftliche Expertise sorgten Prof. Dr. Gerhard Vowe (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf), Prof. Dr. Christoph Neuberger (Ludwig-Maximilians-Universität München), Dr. Lena Frischlich (Westfälische Wilhelms-Universität Münster) und Dr. Cornelius Puschmann (Hans-Bredow-Institut für Medienforschung).

Gerhard Vowe strukturierte in seinem einleitenden Vortrag das Forschungsfeld. Als zentrale durch die Digitalisierung hervorgerufenen Herausforderungen identifizierte er die voranschreitende Pluralisierung, Ökonomisierung, Spezifizierung sowie Rationalisierung öffentlicher Kommunikation. Die weiteren Vorträge nahmen sich jeweils eines Teilbereichs öffentlicher Kommunikation an. Während Lena Frischlich aus ihrer Forschung zur politisch-manipulativen Online-Kommunikation berichtete, machte Christoph Neuberger die massiven Umwälzungen im Bereich des Journalismus mit zahlreichen empirischen Befunden unmittelbar greifbar. Cornelius Puschmann präsentierte aktuelle Forschungsergebnisse zur algorithmisch personalisierten Nachrichtennutzung und verwies auf die Diskrepanz, die zwischen einer allgemein wahrgenommenen Panik vor Algorithmen und der tatsächlich wissenschaftlich nachgewiesenen Personalisierung bestünde.

In den anschließenden Diskussionen ging es um den Wandel der öffentlichen Kommunikation und die Folgen für die Rolle der Medien; die Konsequenzen der beschriebenen Phänomene für Recht, Regulierung, Selbstregulierung und Governance; um neue Forschungsansätze und -verfahren. Am Ende stand auch der Wunsch, die Kontakte zwischen Praxis und Forschung sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb der Wissenschaft zu intensivieren, auch damit die Wissenschaft eine aktivere Rolle in öffentlichen Debatten einnehmen kann.

In den kommenden Runden am 13. September und am 29. November wird sich der Arbeitskreis zu den Themen „Digitale Privatsphäre" und „Digitale Arbeitswelten und Märkte" austauschen.

Das Center for Advanced Internet Studies

Am Center for Advanced Internet Studies (CAIS) werden die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklungen erforscht, die durch das Internet und die Digitalisierung ausgelöst werden. Als Forschungskolleg ermöglicht das CAIS Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis, sich als Fellows einem Projekt im Bereich der Digitalisierung und Internetforschung zu widmen. Darüber hinaus fördert das CAIS Veranstaltungen und Arbeitsgemeinschaften.

Das CAIS sucht den Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern, Bildungseinrichtungen, Unternehmen und der Politik, um zu diskutieren, wie die digitale Zukunft gestaltet werden kann.

Als eigenständiges Forschungszentrum wird es vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Gesellschafter sind die Ruhr-Universität Bochum, die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die Westfälische Wilhelms-Universität Münster und das Grimme-Institut (Marl).