Neues internationales EU-Forschungsprojekt TRAFIG zu Herausforderungen durch Flucht und Vertreibung

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Ein zentrales Ziel des UN-Flüchtlingspaktes ist es, den Schutz von Flüchtlingen zu verbessern und ihre Widerstandsfähigkeit gegen Krisen zu stärken. Zudem will die UN-Vereinbarung das Vertrauen und die Zusammenarbeit zwischen Flüchtlingen und Aufnahmegemeinschaften fördern. Mit dem neuen Forschungsprojekt TRAFIG möchte das Bonn International Center for Conversion mit Forschungspartnern aus Europa, Afrika und Asien dazu beitragen, Lösungen für langanhaltende Vertreibungssituationen zu finden.

Das neue EU-finanzierte Projekt TRAFIG (Transnational Figurations of Displacement) beginnt im Januar 2019. TRAFIG nimmt eine innovative Perspektive ein: Es versteht Zusammenhalt und Mobilität von Flüchtlingen als Faktoren, die zur Lösung der Probleme langanhaltender Vertreibungssituationen beitragen. „Unser Forschungsprojekt betrachtet transnationale und lokale Netzwerke sowie Mobilität als Ressourcen, die von vertriebenen Menschen genutzt werden, um ihre Situation zu meistern“, erklärt Benjamin Etzold, TRAFIG-Projektleiter bei BICC.

Durch vergleichende empirische Forschung in Flüchtlingslagern und Städten in Asien, Afrika und Europa will TRAFIG analysieren, warum vertriebene Menschen in den Aufnahmeländern jahrelang in prekären Umständen leben und wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten. Es untersucht, wie Politik und humanitäre Praxis den Schutz und die Eigenständigkeit der Geflüchteten verbessern können. Das Projektteam will zudem die persönlichen Netzwerke kennenlernen, durch die Flüchtlinge Unterstützung erfahren. Grundlegende Frage wird dabei sein, wie diese lokalen und transnationalen Verbindungen sowohl ihre aktuelle Situation als auch ihre zukünftige Mobilität beeinflussen. Schließlich sollen die Beziehungen zwischen Flüchtlingen und Aufnahmegemeinschaften besser verstanden und die wirtschaftlichen Auswirkungen von Vertreibung untersucht werden. „Damit wird TRAFIG den wissenschaftlichen Forschungsstand verbessern und eine aussagefähige Datenlage zu Flüchtlingsbewegungen und langanhaltenden Vertreibungssituationen schaffen“, betont Benjamin Etzold.

Basierend auf diesen Erkenntnissen will das Projekt eine Bewertungsmethode für politische Entscheidungsträger und Praktiker entwickeln. Diese soll helfen, Programme und Politik schnell und maßgeschneidert zu entwickeln, damit sie sowohl die Eigenständigkeit vertriebener Menschen als auch die Beziehungen zwischen Aufnehmenden und Flüchtlingen stärken.

„Mit unserer innovativen Forschung und unserem anwendungsorientierten Bewertungsinstrument wollen wir nicht nur den Kenntnisstand über langanhaltende Vertreibungssituationen und das transnationale Leben von Flüchtlingen erhöhen. Wir hoffen in der Tat, die Politik und humanitäre Programme zu verbessern und so auch dazu beizutragen, die Ziele des Globalen Pakts für Flüchtlinge zu erreichen”, beschreibt Benjamin Etzold die Ziele des Projekts. Dazu werden die elf Forschungspartner aus Österreich, Äthiopien, Deutschland, Griechenland, Italien, Jordanien, den Niederlanden, Norwegen, Pakistan und dem Vereinigten Königreich während des gesamten Projektzyklus eng mit den wichtigsten Interessengruppen zusammenarbeiten.

Das BICC koordiniert das dreijährige Projekt. Partner dieses exzellenten interdisziplinären und internationalen Forschungskonsortiums sind die Addis Abeba-Universität in Äthiopien, die Aristoteles-Universität von Thessaloniki in Griechenland, das Chr. Michelsen-Institut (CMI) in Norwegen, das Internationale und Europäische Forum für Migration (FIERI) in Italien, das Internationale Zentrum für Migrationspolitik (ICMPD) und die Donau-Universität Krems in Österreich, die Gesellschaft für Menschenrechte und Gefangenenhilfe (SHARP) in Pakistan, das Sussex Center für Migrationsforschung im Vereinigten Königreich, die Universität Leiden in den Niederlanden und die Yarmouk Universität in Jordanien.