... Professor Christian-Mathias Wellbrock, Universität zu Köln

Porträt Christian Wellbrock

Prof. Dr. Christian-Mathias Wellbrock ist an Universität zu Köln Professor für Medien- und Technologiemanagement an der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen Ökonomie und Management des Digitalen Journalismus, Akzeptanz von Medientechnologien, Empirische Sportökonomie und Analytik. (Foto: Lisa Beller)

Worin sehen Sie den besonderen Stellenwert Ihres Faches im Hinblick auf die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen?

In demokratischen Gesellschaften spielen die Massenmedien und der Journalismus eine wichtige Rolle: Sie kontrollieren und kritisieren die Mächtigen, sie informieren die Bürgerinnen und Bürger und spielen eine wichtige Rolle bei der gesellschaftlichen Meinungsbildung.
Gleichzeitig scheint es aber in der digitalisierten Welt schwieriger zu sein, mit Journalismus auch Geld zu verdienen als in der „alten“ Medienwelt: Die Menschen sind kaum bereit, für digitalen Journalismus Geld auszugeben und auf dem Werbemarkt gibt es für die Anbieter von Medieninhalten immer weniger zu verdienen. Die Nutzung verschiebt sich aber immer mehr in Richtung digitaler Vertriebswege. Das stellt für das klassische Geschäftsmodell im Journalismus eine große Herausforderung dar.
Wir beschäftigen uns an der Professur schwerpunktmäßig mit eben dieser Herausforderung, und zwar aus einer wirtschaftswissenschaftlichen Perspektive. Das heißt, wir schauen uns an, wie sich die Strukturen des Marktes durch die Digitalisierung verändern und versuchen zu verstehen, welche Auswirkungen das auf die Produktion, die Distribution und das Nutzungsverhalten von journalistischen Inhalten hat. Dieses Wissen wollen wir dann einsetzen, um Strategien zu entwickeln, die dazu beitragen können, hochwertigen digitalen Journalismus überlebensfähig zu machen. Das können Strategien für große Medienunternehmen, aber auch für journalistische Gründer und andere Organisationsformen außerhalb großer Medieninstitutionen sein. Auch Empfehlungen bezüglich der Rolle öffentlicher Institutionen können dabei sein.
In unserem Fachgebiet versuchen wir also ein klein wenig zur Funktionsfähigkeit unserer demokratischen Gesellschaft beizutragen, indem wir die Ökonomik und das Management von digitalem Journalismus untersuchen.

Welche Entwicklungen würden Sie gerne in unserer Gesellschaft in naher Zukunft sehen?

Ich würde mich freuen, wenn wir ein bisschen weniger über die Auswirkungen der Digitalisierung klagen und uns mehr mit der Gestaltung der Digitalisierung beschäftigen würden. Es sieht für mich immer ein bisschen so aus, als ob es noch um die Frage ginge, ob wir die Digitalisierung überhaupt wollen. Darum geht es ja aber schon lange nicht mehr: Sie ist bereits unterwegs und wird so oder so fortschreiten.
Deshalb sollten wir unsere Aufmerksamkeit und unsere Ressourcen lieber zur Gestaltung der Digitalisierung und der digitalisierten Welt einsetzen. Gefahren und Nachteile bringt die Digitalisierung zweifelsohne mit sich. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir gut beraten wären, nicht an dem Punkt aufzuhören alles doof zu finden, sondern die immensen Spielräume zur Gestaltung der Digitalisierung zu nutzen.

Was ist Ihr Rat für die neue Generation an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften?

Vielleicht bin ich nicht mehr Teil der neuen Generation an Wissenschaftlern, ehrlich gesagt sehe ich mich aber durchaus noch als Teil der neueren Generation. Dementsprechend fällt es mir schwer, Ratschläge zu geben.
Wenn ich mir aber etwas wünschen dürfte, dann wären das mehr Veröffentlichungen in öffentlich finanzierten Open Access Journals, mehr Replikationsstudien und eine verständlichere Kommunikation der wirklich wichtigen und belastbaren wissenschaftlichen Ergebnisse in die Öffentlichkeit. Ich glaube, das wären gute Voraussetzungen, um gesellschaftlich relevante Forschung stärker in den Vordergrund zu stellen.

Welchen Buchtipp können Sie uns geben?

Als Fachbuch würde ich „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahnemann empfehlen. Auch wenn ich finde, dass es ein bisschen unterhaltsamer geschrieben sein könnte: was in den letzten Jahrzehnten über die menschliche Informationsverarbeitung herausgefunden wurde, finde ich absolut beeindruckend. Dieses Buch hat mir sehr geholfen, das Verhalten von Menschen im Allgemeinen, aber speziell mein eigenes Verhalten, besser zu verstehen.
Zum reinen Vergnügen empfehle ich immer „Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel“ von Moritz Rinke. Eine aberwitzige Geschichte, in der sogar mein Familienname vorkommt; wenngleich in einem weniger schmeichelhaften Zusammenhang.

Weitere Informationen

www.wiso.uni-koeln.de/de/forschung/find-an-expert/experts/prof-dr-christian-mathias-wellbrock/