Projekte in Förderinitiative "Künstliche Intelligenz und ihr Einfluss auf die Gesellschaft von morgen" bewilligt

Frau vor binären Zahlen

Für fünf interdisziplinäre Forschungsverbünde in den Gesellschafts- und Technikwissenschaften im Spannungsfeld künstliche Intelligenz und Gesellschaft hat die VolkswagenStiftung rund 7 Mio. Euro bewilligt. Die Projekte, die u.a. in Duisburg-Essen, Weimar, Heidelberg, und Hannover lokalisiert sind, widmen sich dem Einsatz künstlicher Intelligenz in Entscheidungsfindungen in der Strafjustiz, der Kommunikationskultur im Lichte zunehmender KIs oder auch KI-unterstützter Präzisionsmedizin.

Im Feld der "Künstlichen Intelligenz" (KI) werden technologische Fortschritte in ungeahntem Tempo erzielt. Für die Wissenschaft gilt es dabei, sich folgende Fragen zu stellen: Welche Chancen bietet KI? Wo liegen Risiken? Was kann man nicht seriös vorhersagen? Und vor allem: Was bedeuten neue Technolo-gien für die Gesellschaft – und für jeden einzelnen? Diese und weitere wichtige Fragestellungen, die neben den technischen auch die ethischen, moralischen und normativen Folgen der Entwicklungen betrachten, gilt es, zu beantworten. Technik- und Gesellschaftswissenschaften müssen von Beginn an ihre Kompetenzen bündeln: Um diesen Kollaborationsgedanken zu stärken, hat die VolkswagenStiftung 2018 ihre Förderinitiative "Künstliche Intelligenz – Ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft von morgen" gestartet.

In der ersten Bewilligungsrunde der Initiative konnten fünf Projekte bewilligt werden, in denen sich interdisziplinäre Forschungsgruppen bspw. aus den Rechts-, Medien- und Sozialwissenschaften, aus Informatik, Computerwissenschaften, Molekularbiologie, Philosophie und Produktdesign zusammengefunden haben. Ihre Vorhaben sind jeweils auf drei bis vier Jahre angelegt und fokussieren neben Wissenschaft, Forschung und Entwicklung auch, wie sie ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft gerecht werden und diese in die Gestaltung der Zukunft mit einbeziehen können. Darunter auch Forschende aus NRW:

"The implication of conversing with intelligent machines in everyday life on people’s beliefs about algorithms, their communication behavior and their relationship building"

- Universität Duisburg-Essen, Universität Bielefeld, Evangelische Hochschule Nürnberg, Universität Kassel -

Statt der Hand des Partners, hält man immer öfter den Fitness-Tracker. Alexa macht das Licht aus und Kinder lernen von Robotern. KI verändert uns – aber wie? Das will Prof. Dr. Nicole Krämer, Sozialpsychologin an der Universität Duisburg-Essen (UDE), gemeinsam mit Experten aus Informatik, Ethik und Recht in Langzeitstudien herausfinden. Die VolkswagenStiftung unterstützt das Projekt mit 1,5 Millionen Euro, rund eine halbe Million davon gehen an die UDE.

„Was in einem menschlichen Gegenüber vorgeht, erahnen wir als Menschen intuitiv“, erklärt Krämer. „Kommunizieren wir mit Maschinen, ist es schwieriger sie richtig zu lesen und zu verstehen.“ Dabei ist es wichtig zu wissen, was in einer Maschine vorgeht. Wer will schon gerne sein Kleinkind mit einem Roboter spielen lassen, ohne zu wissen, wozu er fähig ist? Wo landen unsere intimen Gesundheitsdaten? Hört Alexa wirklich nur das, was sie hören soll?

Kinder, die sich mit sprechenden Geräten beschäftigen, Erwachsene, die sich Tipps von der Gesundheits-App geben lassen, und Senioren, die auf einen virtuellen Alltagsplaner setzen – sie alle untersucht die interdisziplinäre Forschergruppe unter der Leitung Krämers in den nächsten vier Jahren.

„Wir untersuchen Szenarien aus dem Alltag aller Nutzer, dazu gehören neben den Erwachsenen auch die verletzliche Gruppe der Jungen und Älteren“, so Krämer. „Bei den 7- bis 10-Jährigen heißt das: Unsere Informatiker wollen wissen, wie ein KI-Gerät gebaut sein muss, damit der Nachwuchs es intuitiv bedienen kann. Die Ethik-Experten analysieren, welche Beziehung die Kinder zu den Geräten entwickeln und die Juristen fragen, wie Minderjährige ihre Zustimmung geben und die Geräte selbstbestimmt nutzen können.“ Krämer selbst untersucht, wie sich das Verständnis für die technischen Systeme und die Beziehung zu den Geräten entwickelt. Die Sozialpsychologin interessiert auch, ob das menschliche Kommunikationsverhalten nachhaltig beeinflusst wird.