Ratgeber zur "Leichten Sprache" soll Textverständlichkeit weiter verbessern

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Ein Forschungsteam hat die bisherigen Regeln "Leichter Sprache" untersucht. Die sogenannte "Leichte Sprache" soll Menschen mit Lern- und Leseschwierigkeiten helfen, Texte aus den verschiedensten Lebensbereichen zu verstehen. Die Kölner Sprachwissenschaftlerin Bettina M. Bock hat im interdisziplinären Forschungsprojekt „Leichte Sprache im Arbeitsleben“ (LeiSA) der Universität Leipzig maßgeblich mitgewirkt und erforscht, ob das Textverständnis dadurch tatsächlich erleichtert wird.

Darauf aufbauend ist nun der Ratgeber „‘Leichte Sprache‘- Kein Regelwerk“ erschienen. Aus den LeiSA-Forschungsergebnissen werden darin Empfehlungen abgeleitet, um Texte in „Leichter Sprache“ noch verständlicher zu formulieren.

Im Rahmen des Projekts LeiSA führten Sprachwissenschaftlerinnen empirische Verständnistests mit zwei Zielgruppen durch: Menschen mit Lernschwierigkeiten sowie Menschen mit geringen Lesekompetenzen/funktionale Analphabeten. Die aus den Projektergebnissen abgeleiteten Empfehlungen sind praxisnah und differenziert. Die Studien zeigten beispielsweise, dass die in der „Leichten Sprache“ oft vorkommende Bindestrichschreibung wie etwa „Bundes-Gleichstellungs-Gesetz“ das Lesen langer Wörter erleichtert. Eine explorative Befragung zeigte aber auch, dass die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer die Getrenntschreibung selbst oft ablehnen. Mit solchen gegenläufigen Tendenzen muss sich die Praxis entsprechend stärker auseinandersetzen. Um zu entscheiden, welche Formulierung im jeweiligen Fall besser oder schlechter ist, haben die Forscherinnen fünf Kriterien und Orientierungsfragen für das Schreiben von Texten formuliert:

  1. Ein Text muss zum Leser passen.
  2. Er muss die Funktion und den Zweck des Textes deutlich machen.
  3. Der Text soll dem Inhalt gerecht werden.
  4. Er soll der Lesesituation entsprechen.
  5. Der Text soll zum Sender passen.

Neu im Ratgeber „‘Leichte Sprache‘- Kein Regelwerk“ ist nicht nur der Umgang mit den Regeln „Leichter Sprache“. Um die Zielgruppe besser zu erreichen, arbeitet die die Publikation gezielt mit Grafiken, die die Forschungsergebnisse verständlich vermitteln. Zudem gibt es Kurzzusammenfassungen der wichtigsten Inhalte, die sich explizit an Leser richten, die sonst vielleicht keine Forschungsberichte lesen oder die eine schnelle Übersicht über die Inhalte suchen.

Von November 2014 bis zum Januar 2018 evaluierten Wissenschaftler aus der Sonderpädagogik, der Sozialmedizin, der Soziologie und der Linguistik an der Universität Leipzig sowie Menschen mit Lernschwierigkeiten im Projekt „Leichte Sprache im Arbeitsleben“ die sogenannte „Leichte Sprache“. Das Projekt wurde gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Download

Der Ratgeber „‘Leichte Sprache‘- Kein Regelwerk“ ist auch online frei verfügbar:

http://ul.qucosa.de/api/qucosa%3A31959/attachment/ATT-0/